3 Influencer Relation Trends 2017

Unbestritten ist Influencer Relations ein Bereich im Marketing, der nur sehr harzig Einzug in die Berufswelt fand. Besonders in der Schweiz waren Firmen lange nicht dazu bereit, einen Teil ihres Marketingbudgets dafür einzuplanen. Noch Anfang letzten Jahres hatte ein durchschnittlicher Schweizer Influencer fast keine Chance, einen guten, bezahlten Auftrag zu ergattern. Ausser eines Produktes sprang nicht wirklich etwas für die Influencer dabei raus, trotz der höchst glaubwürdigen und nicht immer zeitunaufwändigen Arbeit. Anbetracht des Erfolgs aus diversen anderen Ländern und vereinzelten Vorreiter-Firmen hat das nun uns mittlerweile allen bekannten Influencer Relations auch hier seine Stellung im Alltag bezogen – und mehr noch, ist zum Trend mutiert.

Viele Firmen haben die neuen Influencer – Also Blogger, Instagramer, Snapchater, Youtuber, etc. – für sich entdeckt und wollen etwas vom Erfolg abhaben, den sie einer Firma und deren Image bringen können. Wo dabei die Gefahren, aber auch Vorteile liegen und wieso ich es Influencer Relations und nicht Influencer Marketing nenne, habe ich bereits erläutert.

Dass der Trend Influencer Relations in diesem Jahr weiter boomt, ist unumstritten. Konnten sich letztes Jahr noch viele Firmen drum herum manövrieren, so werden ebendiese wohl spätestens in diesem Jahr bemerkten, welche Vorteile es ihnen bringen kann. Besonders durch den verbreiteten Nutzen von AdBlockern suchen Marketer ständig neue Wege, ihre Zielgruppe dennoch zu erreichen und wie geht das besser, als ihre Angebote durch echte User verbreiten zu lassen?

Aber auch Influencer haben den Trend erkannt. Nicht nur, dass die Zahl von potenziellen Influencer stetig steigt, so haben sie auch bemerkt, dass sie im Vergleich zu noch vor einem halben Jahr einen um ein vielfach höheren Preis verlangen können. So sind einzelne Posts auf millionenschweren Accounts mittlerweile sehr teuer.

Da ich selbst bereits auf beiden Seiten der Influencer Relations gearbeitet habe und die Thematik interessiert verfolge, kristallisieren sich einige Trends für das bevorstehende Jahr heraus, die sich (hoffentlich) etablieren und einen festen Bestandteil der Marketing-Abteilungen werden könnten.

1. Genauerer Research

Wie ich auch bereits in meinem letzten Blogpost geschrieben habe, haben viele Firmen bisher ohne viel zu überlegen einfach Influencer angeschrieben. Die beiden grössten Fehler dabei waren, dass sie sich erstens nicht wirklich mit den Influencern auseinandergesetzt und zweitens dieselbe Mail gleich an mehrere Influencer gleichzeitig geschickt haben. Da mittlerweile eigentlich allen klar sein sollte, dass man damit nicht weit kommt, darf davon ausgegangen werden, dass dieses Jahr vermehrt recherchiert wird, welche Influencer auf welchen Plattformen für das jeweilige Unternehmen und deren Zielgruppen am geeignetsten sind.

Dazu gehören nicht nur der sogenannte Reach, also die Anzahl Abonnenten oder Reichweite und bisher die beliebteste Kennzahl, des Influencers, sondern auch die Thematik des Accounts, frühere Kooperationen mit anderen Firmen und das intensive Auseinandersetzen mit einem einzelnen Influencer in persönlicher Hinsicht durch Gespräche und regelmässigen Kontakt sowie mit Hilfe von diversen Tools zur Überprüfung von Kennzahlen, die über den Reach hinaus gehen.

2. Micro-Blogger

Dass das in die Kamera strecken von Produkten und damit Geld verdienen ein lukrativer Job sein kann, haben mittlerweile auch viele Influencer erkannt. Während die ganz grossen (i. d. R. nicht Schweizer) sich damit ein Imperium erbauen konnten und komplett davon leben, Fashionista oder LandschaftsphotografIn zu sein, können die etwas grösseren durch gesponserte Posts einen komfortableren Lebensstil geniessen. Fast schon wie die Stars aus Film und Fernsehen bekommen sie Produkte zugeschickt, in der Hoffnung, etwas von deren Ruhm abhaben zu können – was natürlich nicht verkehrt ist.

Doch von Social Media Posts seinen Lebensstil zu finanzieren heisst oft auch, Jobs anzunehmen, von denen man vielleicht nicht immer ganz so überzeugt ist. Oder es besteht die Gefahr, dass plötzlich jeder zweite oder dritte Post, bei manchen sogar eher 9 von 10, aus bezahlten Aufträgen besteht. Da stellt sich die Frage der Glaubwürdigkeit. Wie viel Nutzen bringt denn ein solcher Influencer der Kampagne noch?

Wie auch schon eingangs erwähnt, haben Influencer selbst mittlerweile ihren Wert erkannt und schämen sich nicht, für einzelne Posts ordentliche Summen zu verlangen. Aber auch hier bin ich der Meinung, dass dies – zumindest teilweise – gerechtfertigt ist. Um das perfekte Bild oder ein tolles Video zu erhalten, stecken seriöse Influencer viel Zeit und Herzblut in ihre Arbeit. Ausserdem haben sie sich ein Vertrauen zu ihrer Community aufgebaut, das sie nicht aufs Spiel setzen wollen und sie halten ihr Gesicht hin, um für dieses Produkt zu werben. Dass da die ganz grossen Influencer Preise verlangen, die die meisten Firmen nicht mehr zu zahlen bereit sind, braucht keiner weiteren Erklärung mehr.

Folglich werden Firmen künftig auf mehrere noch eher kleinere, unbekanntere, aber leichter zu kontaktierende Influencer zurückgreifen, die für ihre Arbeit nur Bruchteile des Honorars verlangen oder sich gar gewohnt sind, eigentlich nichts zu erhalten, die aber ihre Arbeit dermassen authentisch und mit viel Leidenschaft ausüben, dass sie für Kampagnen genauso wertvoll sein können wie ein einzelner grosser Influencer. Oder sogar noch wertvoller, da sich kleinere Influencer durch ihre Nischen und genau definierbaren Zielgruppen auszeichnen. Durch gegenseitige Unterstützung entstehen so nicht nur tolle Arbeiten, sondern eine von mir immer wieder gepredigte Relation.

3. Ambassadoren

Natürlich werden die grossen Influencer nicht einfach aus dem Marketing gestrichen. Dafür sind sie viel zu wertvoll. Allerdings sind sie für einzelne Posts für viele Firmen zu teuer geworden. Von ROI kann hier nicht mehr die Rede sein. Das Marketingbudget dermassen zu strapazieren und dann doch noch keine klassischen Kampagnen gestartet zu haben, rentiert nicht unbedingt. Je nach Budget. Warum denn die Influencer nicht gleich in die eigene Kampagne als Kampagnen-Gesicht aka. Model einbauen? Influencer sind wahrscheinlich kostengünstiger als traditionelle Film- oder Musik-Stars, die Glaubwürdigkeit allerdings höher. Wie folgende Grafiken aus einer Google-Studie bezüglich YouTube zeigen, ist auch deren Einfluss auf das Kaufverhalten von Internet-Nutzern höher:

yt-studie-2

Das liegt daran, dass Influencer keine Stars im traditionellen Sinne sind. Sie werden eher als Freund, grosse Schwester oder als das Mädchen oder der Junge von nebenan wahrgenommen, deren Rat auch tatsächlich besonders zu Teenagern durchdringt:

yt-studie

Der Hauptgrund dafür ist, dass Influencer oft als „Herz des kulturellen Zeitgeistes“ angesehen werden, die Trends setzen und die Kultur vorwärts treiben.

Zum Titelbild: Vodafone Deutschland hat bereits gezeigt, dass klassische TV-Werbung mit Youtubern sehr gut funktionieren kann.

Ob und wie Firmen in der Schweiz Influencer Relations in ihrem Marketing mit einbeziehen und umsetzen, werden wir in diesem Jahr sehen. Da wir Amerika und auch Deutschland und England noch ein, zwei Social Media und Influencer Relations Jahre hinterher hinken, können wir uns einiges abschauen und allfällige Fehler vermeiden. Bekanntlich sind wir ja etwas vorsichtiger.

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