Warum Influencer deine Anfragen absagen oder ignorieren

Als Influencerin erhalte ich jede Woche zwischen 5-10 Anfragen, ob ich dieses Produkt bewerben, eine Review über das machen oder jene Einladung wahrnehmen könnte, ganz zu Schweigen von all den Pressemitteilungen. Das ist natürlich toll, weil einem als Influencer bewusst wird, dass man tatsächlich etwas erreicht hat. Andererseits frisst es bereits enorm viel Zeit, alle diese Mails überhaupt zu lesen und zu beantworten, geschweige können dann alle Anfragen angenommen werden. Ein grosser Ablöscher, die Mails überhaupt zu lesen, ist das Vorwissen aus Erfahrung, dass über 90% sowieso Müll ist. Falls auch du bisher nur wenig Resonanz auf deine Anfragen bekommen hast, könnte das an folgenden Punkten liegen.

Noch heute stapeln sich dutzende unbeantwortete Nachrichten in meinem Postfach. Angenommen, ich würde für jede Mail auch nur 5 Minuten entbehren, ich sässe morgen noch da. Eine Auswahl zu treffen ist hier unabdinglich. Und diese steht – wie könnte es auch anders sein – unter meinem Lieblingswort: Effizienz. Ich habe hier einige Arten von Anfragen und Hauptkriterien für euch, wie ich meine Nachrichten sortiere:

  1. Medienmitteilungen
    Tatsächlich sind diese zwar ganz interessant um auf dem Laufenden gehalten zu werden, welche neuen Produkte auf den Markt kommen und ob etwas davon für mich interessant sein könnte, worauf ich dann reagieren könnte. Dennoch lese ich höchstens die Überschrift und schaue die Bilder an. Nach höchstens 10-20 Sekunden ist die Medienmitteilung allerdings gelöscht oder in einen Ordner verschoben und bereits wieder vergessen. Bekomme ich zu viele dieser Medienmitteilungen, eröffne ich schnell mal einen Ordner, in den die Mails automatisch verschoben werden – und somit auch aus dem Postfach verschwinden. Ein wirklich grässliches Beispiel hierfür lieferte sich vor Kurzem Sony:
    sony massenmail
  2. Einladungen zu Events
    Yes, auch von denen gibt es reichlich. Als erstes checke ich, für was für eine Art Event ich denn überhaupt eingeladen werde. Ist es ein Produkt-Launch? Wenn ja, passt das Produkt zu mir respektive meinen Social Media Kanälen? Ist es eine Einladung zu einer Kino-Premiere? Ein Treffen zum Netzwerken mit Apéro? Ist Essen mit im Spiel, bin ich eigentlich immer gerne mit dabei. Zudem versuche ich tatsächlich, an möglichst vielen dieser Events teilzunehmen, auch um neue Kontakte zu knüpfen. Ich kann mir das erlauben, da ich grösstenteils selbstständig arbeite. Viele andere Blogger hingegen arbeiten zu mindestens 50-80%, viele haben sogar einen 100%-Job. Da kann man gut 3/4 der Einladungen vergessen – wann denken die Firmen, haben Influencer frei? Immer? Alle, die also tagsüber stattfinden, fliegen bei den meisten raus.
  3. Anfragen für eine Kooperation
    Gleich vorneweg: Ich mache nichts, was nicht auch thematisch zu mir passt. Und dennoch erreichen mich viele Anfragen, wo ich mich dann frage, ob sich die Leute überhaupt meinen Youtube-Kanal oder auch nur den Blog angeschaut – oder sich von der Zahl Abonnenten blenden lassen haben. Noch schlimmer: eine unpersönliche Anrede. Für letzteres mache ich mir nicht mal die Mühe, überhaupt zu antworten – schliesslich haben sie sich auch keine Mühe gemacht herauszufinden, wen sie überhaupt anschreiben. Ist die persönliche Anrede zwar vorhanden, aber die Zusammenarbeit für mich uninteressant, gibt’s eine Absage. Hat die Firma bereits eine genaue Vorstellung, was sie haben möchte und es passt hinten und vorne nicht zu meinem Content: Absage. Zu kurzfristig: Absage. So ein Ding braucht seine Zeit, wenn’s gut werden soll…
  4. Kann ich dir was schicken?
    Klar! Aber erwarte nicht, dass ich darüber berichte.

Es kristallisieren sich also einige Dos & Don’ts heraus, wie – und damit rede ich nicht nur von mir selbst – Influencer am besten angegangen werden und bitte nehmt diese Tipps ruhig ernst und beachtet sie für künftige potenzielle Kooperationen:

  1. Thematik: Es muss im Vornherein abgeklärt werden, ob der Influencer in dieser Kategorie bereits etwas gemacht hat. Am besten fügt sich die Zusammenarbeit fast nahtlos in sein Repetoire! Die Fotos oder Videos können noch so toll sein, passt ein gekaufter Post thematisch nicht zum Rest, wirkt es auf Seiten des Influencers nicht authentisch – und Authentizität ist für einen Influencer das A und O in seiner Interaktion mit seiner Community. Die Firma hat ausserdem kaum Relevanz, da die Zielgruppe nicht deutlicher verfehlt werden könnte.
  2. Persönlich sein: Nicht nur die Anrede, die ganze Nachricht sollte sagen: „Ich habe mich mit dir auseinandergesetzt und deshalb weiss ich, dass du zu uns passt.“ Ein Influencer möchte schliesslich herausstechen in seiner Art und seinem Tun und nichts gibt ihm mehr das Gefühl, einer von vielen wie Sand am Meer zu sein, als das Gefühl zu bekommen, austauschbar zu sein.
  3. Honorar: Ja, ohne Witz! Anzunehmen, der Influencer sollte froh sein, überhaupt so eine Chance oder das Produkt gratis (oder zum Testen) zu bekommen, ist absolut nicht mehr angebracht. Was Influencer tun, tun sie, weil es ihnen Spass macht und ihnen Erfüllung bringt. Sie sind auf nichts angewiesen und können frei entscheiden, was sie annehmen und was ablehnen. Im Gegensatz zu Journalisten wird bei Ihnen ausserdem eine subjektive Meinung erwartet, wodurch sie sich erst das Vertrauen ihrer Community aufbauen.
  4. Nutzen: Eine Zusammenarbeit  zwischen Influencer und Firma sollte beidseitigen Nutzen bringen. Und damit meine ich nicht nur ein Produkt, das der Influencer behalten kann, nachdem er es auf billige Art und Weise in die Kamera gestreckt hat. Warum dem Influencer nicht etwas ermöglichen, was nicht alltäglich ist? Etwas, das ihm das Gefühl gibt, sich von anderen abheben zu können.
  5. Feedback: Etwas, was ich oft vermisse! War das denn jetzt gut? Sind alle zufrieden? Arbeiten wir mal wieder zusammen? Die besten Kooperationen entstehen durch gegenseitiges Vertrauen und das entsteht mit der Zeit, wenn sich Firmen und Influencer kennenlernen und miteinander kommunizieren. So entwickeln sich längerfristigere und beidseitig lukrativere Kooperationen.
  6. Nachhaltigkeit: Was ist cooler, als eine langanhaltende, nachhaltige Zusammenarbeit? Wie wäre es mit einer „Beförderung“ zum Ambassador?

Und schon sind wir an einem Punkt angelangt, den ich den Firmen immer wieder predige: vergesst das herkömmliche Influencer Marketing! Kein seriöser Influencer lässt sich billig kaufen. Influencer Relations hingegen sind langanhaltende (wie der Begriff bereits sagt) Beziehungen zwischen Firmen und Influencern, in denen sich regelmässig gegenseitig ausgetauscht und Ideen umgesetzt werden.

Als Influencer kann ich sagen, ich arbeite lieber mit Firmen, respektive Leuten zusammen, die ich bereits von vorherigen Zusammenarbeiten her kenne, und bin eher bereit, ein Produkt, das ich von ihnen zugeschickt bekomme, vorzustellen.

Als Beraterin kann ich sagen, macht es durchaus Sinn, einen Influencer zu kennen. Die Kontaktaufnahme ist viel einfacher, die Bereitschaft, nach bereits gelungenen Kooperationen erneut zusammenzuarbeiten, höher und die Arbeit und dadurch das Ergebnis des Influencers bekannt. So sitzt man nicht auf diesen glühenden Kohlen, wie wenn man nicht weiss, was einen erwartet.

Ausserdem sollte das dichte, starke Netzwerk zwischen den einzelnen Bloggern, Instagramern, Youtubern und anderen nicht unterschätzt werden. Alle sind sie irgendwie miteinander verbunden, was zwar Vorteile durch Mund zu Mund Propaganda bringen mag, aber durchaus auch seine Tücken hat. Patzer sprechen sich schnell herum, genauso wie auch ein Lob.

Ich habe bereits mit mehreren Firmen zusammenarbeiten dürfen, mit einigen war es eine einmalige Sache, bei einigen Entstanden längerfristige Geschichten daraus, aber fast überall ist mir aufgefallen, dass die meisten Firmen keine Ahnung haben, wie dieses Influencer Marketing, oder eben Influencer Relations, überhaupt geht.

Hier habe ich übrigens eine kurze Checkliste zusammengestellt, die ich euch gerne zum kostenlosen Download zur Verfügung stelle. Falls ihr die detaillierte 4-seitige Checkliste möchtet, dann schreibt mir bitte eine Mail.

PS: Dieser Blogpost ist ein Re-write von einem Blogpost auf meinem Lifestyle-Blog, den ich am 19. Dezember 2016 hochgeladen habe.

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